Dienstag, 1. Juni 2010

Werdegang eines Fuchses - ein Filz-WIP


So! Auf gehts...zu dem Thema gibt es viel zu sagen - ich versuche mich kurz zu halten ;0) 

An sich ist es überhaupt nicht schwer, so ein Projekt zu filzen, ihr braucht aber Geduld und Formgefühl. Filzen ist immer zeitintensiv - ich habe ja geschrieben, daß ich bei dem Fuchs relativ schnell war, aber trotzdem bin ich auf ungefähr 15 Stunden gekommen. 
Aber man kann noch viiiiel mehr Zeit investieren und noch mehr Details filzen! Es kommt darauf an, was man möchte. Ich wollte ein Kindertaugliches Spielzeug und habe dafür grobe Merinowolle verwendet, die sich gut nadelfilzen läßt. Ausserdem preislich recht attraktiv, ich habe sie von der Schafwollspinnerei Höfer . Man bekommt mit dieser Wolle allerdings keinen so feinen Filz, die Oberfläche wird immer etwas flusig bleiben. Im Vergleich zu PÜPPI - an der habe ich bestimmt die dreifache Zeit gefilzt, sie ist aus feiner Wolle und KEIN Kinderspielzeug ;0) 

Aber jetzt zum Fuchs: DAS 


war meine Materialauswahl. 6 Pfeiffenputzer, Wolle, Nadeln mit Nadelhalter und Filzreste von alten Projekten (natürlich noch eine Unterlage!). Die Filzreste verwende ich als Inlet - aber normale Wolle geht natürlich auch. Dafür könnt ihr auch z.B. weiße nehmen, die ist oft günstiger als farbige. 

Die Pfeiffenputzer werden jetzt jeweils zu zweit an den Enden miteinander verzwirbelt, so entstehen 3 große Schlaufen. Zwei dienen als Beine, eine als Körper, Kopf und Schwanzende. Die Schlaufen positionieren (Hüft- und Vordergelenk) und miteinander verzwirbeln . An den Enden (Schwanz, Füße, Kopf) verzwirbele ich nicht, so bleiben kleine Schlaufen offen. 

 Nun werden die Filzreste um den Körper gewickelt, ich fange bei den Gelenken an und arbeite mich über die Beine bis zum Kopf vor. 


Egal ob ihr Reste oder direkt Wolle nehmt: unbedingt ganz fest wickeln! Je lockerer die Wolle sitzt, desto mehr muß gefilzt werden. Enden nadele ich direkt fest. Der Spunk mußte unbedingt zeigen, WIE man das macht ;0) 


In diesem Zustand sieht das ganz Teil noch sehr...äh, wild aus. Es könnte auch ein Pferd werden (hat zumindest der Spunk gefragt).
Wenn alle Bereiche ausreichend umwickelt sind, fange ich mit der eigentlichen Farbe an. Dabei arbeite ich mich von den Füßen zum Körper und anschliessend zum Kopf vor. Das Schwanzende bleibt erstmal offen!


Auch hier ist es wichtig, FEST zu wickeln! 
Jetzt kommt die Fleißarbeit, die Wolle muß verfestigt werden, das heißt nadeln, was das Zeug hält. Man bekommt ein Gespür dafür, wie sich unter dem filzen die Wolle verdichtet. Je mehr man nadelt, desto fester wird der Filz und desto beanspruchbarer ist er. Ein Mehrfachnadelhalter ist hier eine gute Sache, nur mit einer Nadel dauert es ewig, alles zu verdichten. 


Wenn alle Bereiche schon relativ gut verfilzt sind, kommen noch die Details. 
Für den Fuchsschwanz habe ich um das Ende des Pfeiffenputzers weiße Wolle geschlungen, die nach hinten ausläuft, Darüber kam dann ein kürzeres Stück in fuchsrot. An der Schwanzwurzel habe ich einen festen Übergang genadelt und den eigentlichen Schwanz nur wenig gefilzt. 


Die Ohren wurden zuerst seperat gearbeitet. 
Wolle wird zu einem Dreieick gelegt, das untere Ende *offen* gelassen. Den oberen Bereich filzen und weiße Wolle (habe ich vorgefilzt) aufnadeln. Hierbei nicht zu wild nadeln, damit die Fasern auf der anderen Seite durchkommen. Ich steche immer nur oberflächlich ein, oder leicht quer - mit ein wenig Übung klappt das! 


Die Ohrspitzen habe ich anschliessend noch schwarz gefilzt. 
Nun wird das offende Ende *aufgklappt* und am Kopf positioniert und festgenadelt. Zusätzlich kann man noch etwas Wolle quer über die Enden legen. 


Für die Augen und den Mund habe ich mit einer einzelnen Nadel vorgearbeitet, d.h. ganz oft eingestochen, bis Vertiefungen entstanden sind. 


Bei den Augen wird zuerst ein gelb-braunton aufgelegt, dann schwarz für die Pupille, ein kleiner weißer Akzent und abschliessend eine feine schwarze Linie oberhalb des Auges. 


Nun wird der weiße Bauch/Halsbereich aufgefilzt. Anschliessend die schwarze Nase. 
Für die Schnurrbarthaare habe ich Nylonschnur verwendet, ein Stück von einer Nasenseite auf die andere gezogen, wieder zurück und vorsichtig verknotet. Hinterher noch ein wenig Wolle drübergefilzt.


Die Pfoten habe ich auch noch mit dunklerer Wolle unterlegt und drei *Rillen* mit der Nadel gearbeitet. Anschliessend nochmal gründlich alles durchgenadelt, bis die gewünschte Festigkeit ereicht war...



...fertig!!!

     Ich wünsche euch viel Spaß beim Filzen :0)



----------------------- 

Die Anleitung beschreibt meine persönliche Weise, so ein Tier zu filzen. Es gibt natürlich noch viele andere Methoden, dafür kann ich euch die Bücher von Birgitte Krag Hansen empfehlen. Ihr Tierbuch ist zwar NOCH nicht in meinem Besitz, aber bestimmt eine tolle Sache für alle, die mehr wissen wollen!

Kommentare:

tanni hat gesagt…

Ich kann nicht filzen oder sagen wir mal ich habe keine Zeit mir noch ein Hobby zuzulegen ;o) umso cooler und schöner fand ich es, mal zu sehen, wie so ein Tier entsteht! :o)) Dankeschön! Und der Fuchs ist einfach nur wunderschön!
Schöne Grüße, tanni

Thalia hat gesagt…

Wow! Du machst wunderschöne Nadelfilz-Tiere. Ich wollte das immer mal ausprobieren, aber ich hab mich noch nicht daran getraut.
Dein Fuchs und der Adler sind einfach beeindruckend.

Liebe Grüße!
Thalia

Emily Fay hat gesagt…

....auch der ist so Märchenhaft schön....man muß auch ein Talent dafür haben...Fantasie...Fingerfertigkeit und ganz viel Liebe ♥

glg marion

Claudia hat gesagt…

liebe anja...also deine gefilzten tierchen sind einfach HAMMER! super beindruckend!sowas würde ich nie schaffen....

liebe grüße
claudi

Allerleirauh hat gesagt…

Ich habe schon studiert, wie du wohl "schnell" einen Fuchs filzt, aber 15 Stunden sind für mich ungeduldiges Wesen doch ganz schön lange.
Aber Geduld zahlt sich aus.
♥-Grüsse, Allerleirauh

p-design hat gesagt…

♥♥♥...es ist unglaublich was du da maus und mit filz zauberst...:o)))...♥♥♥

einen schönen tag und ggggggglg nicole

Elfe78 hat gesagt…

Vielen Dank für die gute Anleitung. Ich wollte schon immer so en Tierchen filzen, bin aber immer am Umsatz gescheitert.-
Nun weiss ich die ungefähre Richtung.. Mit deiner Anleitung kann man nun fast jedes vierbeinige Tierchen erschaffen.
Ganz toll gemacht und super erklärt.
15 Stunden finde ich schon recht schnell, wenn ich bedenke wie lange man an kleinen Bärchen und Co sitzt. Und das ist nun eine andere Grösse..
Filzige Grösse

LinVins hat gesagt…

Vielen Dank für diese Anleitung, das sollte machbar sein. Ich bin immer froh, wenn ich ein paar Detailanleitungen lesen kann, wie man am besten arbeitet.

Liebe grüße
Kirsten

Mi&Pi hat gesagt…

Super, danke. Hab schon gerätselt wie du das gemacht hast. Gespeichert und wird bei gelegenheit mal wieder vorgekramt ;)
Bin gespannt was als nächstes kommt!
LG
Sabine

Eva hat gesagt…

Danke für diesen wunderbaren WIP!
Deine Tiere sind etwas ganz besonderes - viel mehr als nur schön, sie haben eine besondere Ausstrahlung, finde ich!

Liebe Grüße Eva

fadenmönchen hat gesagt…

Das ist ja genial,
ich hab mich immer gefragt wie so ein Körper ensteht.
Dankeschön für die Anleitung

Lg
Simone

Lee-Ann hat gesagt…

wow.....das muss ich auch mal probieren, habe ich doch alles da was es braucht...vielleicht wird meiner grau, dann ist es ein wolf!!!
danke viel viel mals das wird spass machen.....
liebe grüsse lee-ann

FeeShion hat gesagt…

Toll! Danke fürs Zeigen, wie so etwas funktioniert!

Liebe Grüße,
Fee

EMMA hat gesagt…

das ist ja cooool, dass du uns das zeigst. interessant!!!!!

ein riesen danke!!
liebe grüße von emma

KerRie hat gesagt…

Liebe Anja, danke! Das ist wie immer von Dir eine tolle Anleitung. Auf den Fotos sah Dein Fuchs erst klein aus. Nur im Arm Deines Sohnes konnte ich mir die Größe vorstellen. Ich finde Deinen Fuchs ganz toll!!!
Und es stimmt tatsächlich, meine gefilzten Pferde sehen in der Anfangsphase ähnlich aus. Das war sofort mein Gedanke als ich Dein Gestell mit Wolle umwickelt sah. -- Nur meine Pferde sind viel kleiner :-) nur ca. 20/25 cm und ich hatte naßgefilzt. Trocken werde ich ganz bestimmt jetzt nocheinmal probieren.
LG Kerstin

Huckebein hat gesagt…

Ist toll geworden. Und echt toll beschrieben. Da steckt aber echt viel Zeit drin.

lg huckebein

Marion hat gesagt…

Au weh, das war aber wirklich viel Árbeit. Ich finde es immer am schwersten, die Form so hinzubekommen, dass das Tier so aussieht, wie es aussehen soll.
Einen kleinen Fuchs habe ich auch schon mal gefilzt und das hat mir schon gereicht.
Ein Meisterwerk...
LG Marion

Glückspilz hat gesagt…

Wow, ich bin sowas von beeindruckt. Filzen kann ich überhaupt nicht, bzw. ich habe es noch nie versucht und ehrlich gesagt schaffe ich glaube ich nicht noch ein so aufwendiges Hobby zusätzlich zu meinem Nähwahn *lach* ... aber ich bin immer tief beeindruckt von Deinen Filzträumen, ehrlich.

liebe Grüsse, Kerstin

noz! hat gesagt…

Na der sieht ja mal toll aus!

Shibainu hat gesagt…

Danke für die tolle Filz-Anleitung!!!
Ich möchte einen Hund anfertigen und da passt es gut.
LG. Chris

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